Political Correctness – mehr als ein Streit um Worte

Am Montag gab im übervollen kleinen Saal des Schießhauses unser Berliner Parteifreund Giselher Suhr, langjähriger Redakteur und Reporter des ZDF, einen erhellenden Einblick in die Hexenküche frustrierter Revolutionäre. Nein, es ging nicht um die GEZ-Medien, sondern um den Ursprung und die Konzepte, wie mit welchen Mitteln die westlichen Gesellschaften ihres zivilisatorischen Zusammenhaltes beraubt werden sollten, um endlich als eine überreife, matschige Frucht in den Schoß der Weltrevolution zu fallen.

Am Ende des Ersten Weltkriegs reagierte die Arbeiterklasse nicht so, wie die Vertreter der reinen Lehre des Marxismus es sich “wissenschaftlich” vorgestellt hatten. Nicht das Sein bestimmte das Bewusstsein, sondern die kulturelle Erdung. Also gründete der europäische Wanderzirkus marxistischer Intellektueller in den Zwanziger Jahren das Institut für Sozialforschung an der Frankfurter Universität, das sich mit der Überwindung dieser Widersprüche beschäftigen sollte. Als dann die Kominternstrategie (Dimitrov) der Verknüpfung des Nationalen mit dem Sozialistischen zur Creation des Faschismus und dem Reichskanzler Hitler führte, machte dieses Institut einen geschlossenen Sprung über den Atlantik und setzte dort mit viel Erfolg die in Frankfurt begonnene Arbeit fort.

Die Schreckensherrschaften in Europa und die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs bildeten den idealen Spiegel für die sozialempirische Ermittlung und Definition der “Autoritären Persönlichkeit” (Adorno) als der Quelle allen Unglücks. Ergebnis war ein weiter und breiter Katalog von Merkmalen und Einstellungen, die man unter den Verdacht des Faschismus stellen konnte. Es war die Geburtstunde der Polical Correctness. Nicht nur als Waffe im Kampf gegen die Antikommunisten, sondern wesentlich als repressive Formgebung zur Schaffung einer gleichgeschalteten Gesellschaft.

So ist es denn auch kein Wunder, dass die Rückkehr aus den USA und Neugründung der Frankfurter Schule zum Ursprung und Think Tank der 68er Bewegung wurde, die heute praktisch den Überbau unseres geistigen Klimas bestimmt. Giselher Suhr konnte das bis ins beinah schon lächerliche Detail nachweisen. Er begann seinen Vortrag z. B. mit der Kritik der Eliten am Wiederaufbau des historischen Neumarktes in Dresden und spannte den Bogen bis zur von Antifaschisten abgesägten “Gedenkeiche” zur Erinnerung an den Brand in Rostock Lichtenhagen. Eiche geht im Sinne der Politischen Korrektheit eben gar nicht.

Die anschließende Disskussion war lebhaft und gipfelte in der Frage unseres Kreisvorsitzenden, wie und womit sich die Alternative unter diesen Bedingungen entfalten könne. Suhr wies darauf hin, dass ein so rigide geführter Diskurs zwangsläufig in Widerspruch mit der Wirklichkeit kommt und damit seine domestizierende Kraft verlieren wird. In diesem Sinne ermutigte er die Freunde und Mitglieder darauf zu vertrauen, dass die Zeit mit uns ist. Je länger die PC herrscht, umso deutlicher werden wir unsere Rolle als Nebelspalter spielen können.

Insofern war dieser Themenabend auch ein Mutmacher.

Karin Wilke
Stefan Strauß

hingerichtete Gedenkeiche in Rostock Lichtenhagen
hingerichtete Gedenkeiche in Rostock Lichtenhagen

Zum Nachlesebeitrag von Giselher Suhr.