Heute vor 75 Jahren. Deutsches Rettungsschiff versenkt / Über 9.000 Flüchtlinge starben.

Heute vor 75 Jahren. Deutsches Rettungsschiff versenkt / Über 9.000 Flüchtlinge starben.

Heute vor 75 Jahren. Deutsches Rettungsschiff versenkt / Über 9.000 Flüchtlinge starben.

Auf der Flucht vor Kälte und Krieg flohen im Januar 1945 vorrangig Frauen und Kinder vor der Winteroffensive der Roten Armee nach Gotenhafen. Ein vermeintlicher „Hafen der Hoffnung“ für die unzähligen verängstigten und durchgefrorenen Zivilisten. Die „Wilhelm Gustloff“, ein ehemaliger Vergnügungsdampfer, sollte die vertriebenen Deutschen in Sicherheit bringen.

Über 10.000 Flüchtlinge drängten sich dicht an Bord, als in jener 30. Januar-Nacht ein russisches U-Boot unbarmherzig das Feuer eröffnete. Drei Torpedos trafen das überfüllte Rettungsschiff und rissen es auf - die Gustloff sank. Heraneilende Retter wurden erneut attackiert und mussten die Rettung abbrechen. Die eisige Ostsee wurde zum grausamen Schauplatz eines hoffnungslosen Überlebenskampfes - letztlich jedoch, wurde sie zum Grab von über 9.000 Flüchtlingen.

Damit ist die Versenkung des deutschen Rettungsschiffes „Wilhelm Gustloff“ die größte maritime Tragödie aller Zeiten. Zum Vergleich: Die Opferzahl der Titanic betrug ca. 1.500 Menschen. Ob es sich im Fall der „Wilhelm Gustloff“ nun um ein Kriegsverbrechen handelt oder lapidar mit einer Folge des Krieges ausgeklammert wird, schmälert die Würdigkeit eines Erinnerns an die Ereignisse keineswegs und ist in seiner Bewertung immer dem herrschendem Zeitgeist unterworfen.

Den getöteten Zivilisten bis heute eine abstrakte Mitschuld zu geben, kommt einer Verhöhnung der Opfer und deren Angehörigen gleich. Welche grotesken Unterschiede in der nationalen Erinnerungskultur herrschen, zeigt dabei auch das heroische Marinesko-Denkmal in Königsberg – jenes russischen Kapitäns, der das Flüchtlingsschiff versenkte und als Nationalheld geehrt wird.

Kein Einzelfall: In London steht bis heute ein Denkmal zu Ehren von „Bomber Harris“.  Unter dessen Führung wurde das mit abertausenden Kriegsflüchtlingen gefüllte Dresden am 13. Februar zu Asche gebombt. Erst 2012 kam ein weiteres Denkmal, das „Royal Air Force Bomber Command Memorial“, in London hinzu. Das Flächenbombardement Deutschlands im zweiten Weltkrieg war in Großbritannien offenbar nie Thema für einen ungebrochenen Patriotismus.

Ein ehrliches Gedenken deutscher Opfer weicht offenbar dem schambehafteten Blick auf jene 12 Jahre deutscher Geschichte unter der Regierung der NSDAP – einer Periode der deutschen Geschichte, in der es manchem im Nachhinein leicht zu fallen scheint, Täterschaft bewusst undifferenziert zu betrachten.

Aus der Geschichte lernen heißt nicht, Teile davon als Bürde bis in die heutige Zeit tragen zu müssen.

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