20190219 SCHULE Wikipedia - DALIBRI
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Was ist das? „Kein Stundenplan – keine Klassen – keine Fächer – kein Klassenzimmer“

Abschaffung der Schule, Einzel/Privatunterricht, alternative Privatschule oder öffentliche Schule?

Von Karla Lehmann

Es handelt sich um einen 15-Jahre andauernden Schulversuch („Universitätsschule“; Konzept Nov. 2017, SZ v. 15.2.2019) auf Kosten des Steuerzahlers, initiiert von den Erziehungswissenschaftlern der TUD und von der Stadt Dresden mitgetragen. Geworben wird mit diesen Slogans um Schüler der Klassen 1 bis10.

Die utopischen und realitätsfernen Vorstellungen der Initiatoren sprengen alle Vorstellungskraft.

Das nebulöse Selbstverständnis dieser Schule ist es, „eine Schule der Zukunft zu denken und unter wissenschaftlicher Absicherung zu erproben“. Mit einem nicht näher spezifizierten pädagogischen Konzept soll die Schule in die Lage versetzt werden, bei Eröffnung voll zu funktionieren wohl nach dem Merkelschen Wunschdenken „Wir schaffen das!“ Das Gleiche trifft auf den geplanten Einsatz digitaler Medien zur Lernüberwachung, Leistungsbeurteilung etc. zu, für die es noch keine Software gibt! Schüler und Eltern, die sich auf dieses Wagnis einlassen, sind zu bedauern. Qualitativ hochwertige Bildungsergebnisse zu erzielen, Analphabetismus oder Lerndefizite zu reduzieren, gehört jedenfalls nicht zum Spektrum der Universitätsschule.

Ziel des „offenen Lernhauses“ ist es, miteinander zu leben und zu lernen, die Betonung liegt auf Ersterem. „Spielen und Lernen werden nicht mehr künstlich getrennt“ (Langner). Die Schüler, die den unterschiedlichsten Jahrgängen angehören, lernen, sofern sie überhaupt wollen und dazu kommen, in kleinen Projektgruppen fächerübergreifend. Diese sind als soziale Einheiten gedacht, die u.a. auch Versammlungen und Abstimmungen abhalten und bestenfalls die Lehrer darüber informieren. Immerhin wird vermutet, dass die Beteiligung eines Lehrers an der Gruppenbildung lernbegünstigend wirkt! Man behauptet, dass „Kinder am besten Lernen, wenn sie miteinander und ohne Erwachsene lernen“. Fragt sich was und wenn schon, dann müßte es erstmal belegt werden. Außerdem widerspricht diese Annahme der Forderung nach individualisiertem Lernen und dem Slogan „wir denken Schule vom einzelnen Kind“.

Die Anwesenheit der Schüler in dieser „Nicht-Schule“ obliegt im Übrigen dem eigenen Ermessen und ihrer freien Zeiteinteilung des Lernens. Jedenfalls werden sie zu „genügend oft vollzogenen Ferien“ angehalten!

Mehrsprachigkeit im Unterricht, also Gruppen, die untereinander arabisch, tschetschenisch, paschtunisch oder anderes sprechen, soll der Stärkung der plurikulturellen Identität und der Selbstwertgefühle der Schüler dienen. Chaos in den „Lernräumen“ ist vorprogrammiert. Das Nichtbeherrschen der deutschen Sprache wird keinesfalls als Nachteil betrachtet – das Ziel ist wohl eindeutig: Zurückdrängung des Deutschen! Installation von Parallelgesellschaften, Integration unnötig?!

Entwicklungs-und Lernpsychologie, Ergebnisse der Motivationsforschung sowie grundlegende und moderne Erkenntnisse der Pädagogik (z.B. J. Hattie, 2009/2013) werden unter den Tisch gefegt. Ambitionierte Wissensvermittlung und anerkannte Vorbildwirkung bleiben zugunsten unbewiesen wirksamer Tätigkeiten wie Lernbegleiter, Lernfeldgestalter oder Lerncoach auf der Strecke. Eltern werden mit ihrem grundgesetzlich garantierten Erziehungsanspruch ratlos hinterlassen.

Dem Forschungsansatz dieser Schule fehlt es an jeglicher Substanz. Klare Zieldefinition, Kontrollgruppe(n), biostatistisch ermittelte Gruppengröße, Darlegung der biometrischen Methode, festgelegtes Signifikanzniveau für vorher definierte Annahmen, Ethik-Votum – Fehlanzeige. Die Teilnahme an PISA ändert daran nichts!

Das in verschwurbelter Sprache verfaßte und weder stimmige noch in sich widerspruchsfreie Konzept der „Universitäts-Schule“ verhöhnt motivierte Schüler, Lehrer und Eltern. Es wird und kann den erforderlichen Bildungsstandards – sicheres Beherrschen der Kulturtechniken, eines systematisch erworbenen Wissens-und Werte-Kanons sowie der Befähigung zum Führen eines selbstbestimmten Lebens mit einer angemessenen Beteiligung an der Gesellschaft – aus heutiger Sicht nicht gerecht werden. Dabei wären verstärkte Bemühungen um eine echte Individualisierung der Bildung, die Förderung von Lernmotivation und Leistungsbereitschaft sowie die Reduzierung von Lerndefiziten auf jeden Fall wünschenswert.

Dr. Karla Lehmann ist Mitglied des AfD-Kreisverbands Dresden.