r1 Aufgeblättert

Über Douglas Murray, Renaud Camus und altlinke Irrthesen

Von Joachim M. Keiler

Die Feiertage geben Gelegenheit zum Lesen. In der Ausgabe 4/2018 stellt das Magazin Tichys Einblick den Bestseller von Douglas Murray „Der Selbstmord Europas“ vor. Interessant an Murrays Thesen ist nicht der Umstand, daß auch er vor Überforderung durch Massenimmigration warnt, sondern daß er deren Gestattung als Ausdruck eines europäischen Schuldkults identifiziert, als eine Art „Wiedergutmachung“ der Europäer für angebliche oder behauptete Folgen der Kolonialzeit. Murray ist Brite. Er entlarvt falsche Axiome:

»Es stimmt nicht, daß die Migranten uns immer wohlhabender machen, sonst müßte man ununterbrochen noch mehr Menschen importieren, um noch wohlhabender zu werden, bis wir alle Multimillionäre sind.« —

Das wollte Jean-Claude Juncker schon, als er die Migration zum „Ur-Auftrag“ der EU erklärte. Von wem hat er den wohl souffliert bekommen? Aber Spaß beiseite.

Der aktuelle Spiegel befaßt sich mit der „Erklärung 2018“, verweist auf den Franzosen Renaud Camus, dessen Buch auch lange keinen Übersetzer fand, und beschreibt ihn als Linken, einen katholischen Bildungsbürger, der Sorge hatte, daß Europäer in einem Elitenplan gegen Araber und Afrikaner ausgetauscht werden sollten. Camus beschreibt einen Umvolkungsplan.

Der Spiegel meint, dies sei das derzeit wirkmächtigste Konzept der Rechten. Das ist kein Konzept, sondern die lang fällige Reaktion einer breit angelegten bürgerlichen Schicht auf die Irrthesen der Cohn-Bendits, Trittins, Fischers und Özdemirs dieser Welt.

»Wir die Grünen müssen dafür sorgen, so viele Ausländer wie möglich nach Deutschland zu holen. Wenn sie in Deutschland sind, müssen wir für ihr Wahlrecht kämpfen. Wenn wir das erreicht haben, werden wir den Stimmenanteil haben, den wir brauchen, um diese Republik zu verändern.« — Cohn-Bendit

»Deutschland muss von außen eingehegt und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.« — Fischer, immerhin einmal deutscher Außenminister

Dies sind die Thesen der Altlinken bei den Grünen.

Wie Deutschland mit seinem geschichtlichen Hintergrund gefügig arg(EU)mentiert werden sollte, versucht man es auf europäischer Ebene strukturähnlich. Die Europäer seien mit ihrem Kolonialismus schuld am Elend der Welt, mindestens neuzeitlich wegen der Exportüberschüsse und angeblich unfairen Handelspraktiken.

Das Gute ist, daß nun auch Briten und Franzosen aufwachen und sich zu emanzipieren scheinen: Nicht Europa ist schuld, sondern Merkel ist schuld, wird es heißen, bald auch bei Demonstrationen.

In einem Europa der Vaterländer begegnen wir – gemeinsam – jedem zu Unrecht geltend gemachten Wiedergutmachungsanspruch. Nicht die Rechte argumentiert mit Ängsten, sondern die Gesellschaft befreit sich gerade aus einer von den Alt-68ern politisch vereinnahmten Exkulpationssehnsucht; dies weniger aus Einsicht, sondern aus Beobachtung einfacher Wirkmechanismen. Einer davon ist: offene Grenzen, Sozialstaat und Sicherheit adé.

Dr. Joachim M. Keiler gehört dem AfD-Kreisvorstand Dresden an mit der Zuständigkeit Pressesprecher und Öffentlichkeitsarbeit.

Quellen:
Tichys Einblick: „Der Selbstmord Europas“ – Bestseller-Autor Douglas Murray im Interview
Tichys Einblick: „Der Selbstmord Europas“ – Die Tyrannei der Schuld und der Selbstmord Europas. Von Herbert Ammon
Tichys Einblick: Ein Abgesang – Douglas Murray: Der seltsame Tod Europas. Von Piroska Farkas