20180125 Hennig Offshore-Windstrom
Statt eines Fotos zeigen wir eine Grafik, wie sie auch bei Frank Hennigs Vortrag gezeigt wurde. Zu sehen ist der Ertrag des Offshore-Windstrom an Nord- und Ostsee. Die „Energiewende“-Legende besagt: „Die verhältnismäßig hohe Gleichmäßigkeit der Offshore-Windenergieeinspeisung bewirkt auch, dass sich die Stromerträge aus Offshore-Windenergie gut vorhersagenlassen.“ (IWES-Studie) Tatsächlich ist der Leistungsverlauf auch in großen Regionen alles andere als „gleichmäßig“, sondern er zeigt immer wieder unplanbare Einbrüche auf nahe Null. Er ist damit ungeeignet für ein Hochindustrieland. Auch Offshore-Strom ist nur – „Zappelstrom“.

Mondlichtkugel und MaStDRV – die verkorkste Energiepolitik

Bericht von der Lesung/Diskussion mit Frank Hennig aus „Dunkelflaute“

Von Ralf Schutt

Die Dichte an Elektroingenieuren war am Dienstagabend des 23. Januar 2018 wohl nirgends so hoch wie im Konferenzsaal eines gemütlichen Dresdner Hotels in der Königsbrücker Straße. Frank Hennig las aus „Dunkelflaute“ und stellte sich der anschließenden Diskussion. Die kurzen Kapitel aus dem ABC des energiepolitischen Grünsprechs waren eingebettet in einen fachlich anspruchsvollen Vortrag mit zahlreichen Grafiken und Tabellen, die so richtig nach dem Geschmack der etwa 60 Fachbesucher und Interessierten waren.

Frank Hennig beschäftigt sich seit Jahren mit der verkorksten deutschen Energiepolitik. Wie viele „redliche Ingenieure“ (Limburg) hat er längst erkannt, dass die in Presse und Funk als beispielhaft gerühmte „Energiewende“ eine beispiellose Industrie- und Landschaftszerstörung ist. Hennig hat nun aber nicht nur die Faust in der Tasche geballt, er hat die sonderbaren Heilsversprechen wie die „Mondlichtkugel“ und den „Windhamster“ launig bis sarkastisch beschrieben und in „Tichys Einblick“ veröffentlicht. Kürzlich wurde ein Buch daraus, das die drohende „Dunkelflaute“ zum Titel hat.

So brachte der Abend immer wieder neben konzentriertem Verfolgen der technischen Fakten auch Heiterkeit und ungläubiges Kopfschütteln in den Saal. Frank Hennig widmete sich auch der „Markstammdatenregistrierungsverordnung“ (MaStDRV) und stellte fest, dass zum teuersten Strom die aufgeblähteste Bürokratie kommt. Die Austreibung des „Todesgases“ („Welt der Wunder“, 2009) Kohlendioxid aus allen privaten und industriellen Prozessen könnte dieses Land in den Ruin treiben, waren sich die Energieinteressierten nach zweieinhalb Stunden einig. Die AfD wird natürlich im Bundestag versuchen, das Ruder herumzureißen. Das EEG muss fallen und das gigantische energiepolitische Experiment muss beendet werden. Die Überprüfung von technischen Innovationen durch einen echten Markt soll wieder die Regel werden.

Ein Dank gilt der guten Organisation durch WortReich: Michael Sitte-Zöllner.

Nachbemerkung

Dass Frank Hennig mit seinen Kritik der „Energiewende“ richtig liegt, wird in diesen Tagen klar. Der WELT-Journalist Daniel Wetzel berichtet von einer aktuellen Prognose der vier großen Übertragungsnetzbetreiber. Danach wird Deutschland bereits zum 15. Januar 2020 um 19 Uhr nicht mehr in der Lage sein, Extremsituationen im Stromnetz aus eigener Kraft zu bewältigen. Falls – keineswegs unwahrscheinlich – widrige Witterung und ungeplante Kraftwerksausfälle zusammentreffen, reichen selbst alle inländischen Kraftwerke einschließlich der Reserven nicht mehr, um die Stromversorgung zu sichern. Importe aus dem Ausland würden dann erstmals zu einer zwingenden Notwendigkeit.

Dies ist also abzusehen, wenn man über etwas Verstand und Fachwissen verfügt. Für Weltretter zählt das aber nicht. „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, James Hansens „Hockeystick“, der Propagandastreifen „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore und Schellnhubers „Selbstverbrennung“ waren falsch, fehlerhaft, gefälscht, tendenziös oder übertrieben. Sie befeuern aber grüne Enthusiasten wie „Ende Gelände“ und „Deutsche Umwelthilfe“ in Richtung einer globalen Dekarbonisierung. Klimapopulismus und Alarmismus werden pausenlos in zahllosen Spalten und Kanälen verbreitet, so dass selbst Kinder ihre ökologischen Fußabdrücke errechnen. Der Deutschlandfunk fragt, ob der Sturm Friederike „noch Wetter oder schon Klimaveränderung“ wäre. Und der Schüler Ludwig und sein „GREENTEAM Schwabenpower“ fordern mit einer Petition auf Change.org, „die Hälfte der deutschen Kohlekraftwerke bis 2020 auszuschalten“.

So ist die Lage.

Frank Hennig: Dunkelflaute oder Warum Energie sich nicht wenden lässt. FinanzBuch Verlag, 2017